#rp26-Sprecher Nils C. Kumkar: Polarisierung als Motor für die Demokratie?

17.03.2026 - Wann ist Polarisierung ein Problem, und inwiefern ist sie sogar wichtig für die Demokratie? Darüber spricht der Soziologe auf der re:publica 26.
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Foto von Nils Kumkar. Er steht vor einer Wand, trägt kurze Haare, Pullover und darunter Hemd. Nils hält seine Arme verschränkt vor der Brust und lächelt in die Kamera:
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Falk Weiss

„Was, wenn Polarisierung gar nicht das Problem ist, sondern eine Lösung? Und was für Probleme löst Polarisierung?” Mit dieser Frage beschäftigt sich der Wissenssoziologe Nils C. Kumkar. Für sein neuestes Buch geht er von einem markanten Befund aus: Ein Zerfall der Gesellschaft in zwei radikale Lager lässt sich kaum empirisch nachweisen. 

Gleichzeitig erleben wir Polarisierung als etwas allgegenwärtiges: Dann, wenn extreme Positionen immer lauter und sichtbarer werden – zum Beispiel durch populistische Mobilisierung und verstärkende Medienlogiken – entsteht der Eindruck einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung. Was wir als Polarisierung wahrnehmen, wird also vor allem auch kommunikativ erzeugt und verstärkt. Denn die breite Mitte vertritt immer noch moderate Meinungen.
Für Nils C. Kumkar gehören Konflikte zur Demokratie dazu, da sie nicht nur die Öffentlichkeit strukturieren, sondern auch Orientierung schaffen und politische Entscheidungsfähigkeit ermöglichen. Problematisch werde Polarisierung erst dann, wenn Gegnerschaft in moralische Abwertung umschlägt und die Legitimität des politischen Gegenübers angezweifelt wird. 

Ein nüchterner Blick auf gesellschaftliche Auseinandersetzungen kann daher nicht schaden: Statt vorschnell von Spaltung zu sprechen, können wir Polarisierung auch als ordnungsbildendes Moment moderner Gesellschaften verstehen. Auf der re:publica 26 werden wir mit Nils C. Kumkar sowohl über die Risiken, als auch über das produktive demokratische Potenzial der Polarisierung diskutieren.

Nils C. Kumkar ist Wissens- und Kommunikationssoziologe und seit 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am SOCIUM in Bremen, wo er zu politischem Konflikt, sozialer Ungleichheit, Digitalisierung, alternativen Fakten und Verschwörungstheorien forscht und publiziert. Derzeit hat er die Vertretungsprofessur am Lehrstuhl für Soziologische Theorie an der Universität Bamberg inne. Im Jahr 2022 erschien sein Buch „Alternative Fakten: Zur Praxis der kommunikativen Erkenntnisverweigerung“, 2025 folgte „Polarisierung: Über die Ordnung der Politik“.